23.11.2002

Im Kreml goldenes H├Ąndchen bewiesen

J├╝rgen Blach und Stefan Boll aus Ansbach restaurierten Leuchter im Moskauer Andrejewski-Prunksaal

Ein goldenes H├Ąndchen haben zwei Ansbacher im Moskauer Kreml bewiesen. J├╝rgen Blach und Stefan Boll halfen russischen Vergoldern den Prunksaal wieder bis zum kleinsten Punkt zum Gl├Ąnzen zu bringen.

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Die Anfrage aus Moskau kam ├╝ber Italien nach Westmittelfranken. Italienische Restauratoren hallen vor drei Jahren die Renovierung des Andrejewski-Saals betreut. Der Saal, in dem nach der Zerst├Ârung durch Stalinn heute wieder die Pracht der Zarenzeit besichtigt werden kann, ist die gute Stube des Kreml und Schauplatz vieler Staatsakte und Empf├Ąnge. Weil es bei der Galvanischen Vergoldung zu schwarzen Flecken auf den zahlreichen Leuchtern gekommen war, verwiesen die Italiener auf einen T├╝ftler und Unternehmer aus Lauf. Er hatte ein Rezept entwickelt, mit dem Pudergold mit 23,75 Karat ├╝ber Spritzpistolen bis ins kleinste Eck aufgetragen werden kann - vorausgesetzt, man hat daf├╝r das n├Âtige Gef├╝hl.

Der Laufer schw├Ârt bei seinen Projekten auf die handwerklichen K├╝nste des Ansbacher Lackierermeisters J├╝rgen Blach. der f├╝r das so genannte "Verd├╝sen" des Pudergoldes bereits Handwerker in Malaysia und Singapur einarbeitete. Ende Oktober, einen Tag nach der Beendigung des Geiseldramas in einem Theater, landete der 35-j├Ąhrige in Moskau. "F├╝r mich als Kind des Kalten Krieges war es schon ein besonderes Gef├╝hl, zum Arbeiten in den Kreml zu gehen. "Nach ein paar Tagen, in denen er mit Untergr├╝nden, Material und Lufttemperatur experimentierte, hatte der Ansbacher einen Weg gefunden, die schwarzen Flecken ohne jede Spur zu beseitigen.

Ein Problem war allerdings die Sprache.
Den beiden vom russischen Staat gestellten Dolmetscherinnen fehlten ein paar Fachausdr├╝cke, damit Blach zw├Âlf russischen Vergoldern den richtigen Dreh beibringen konnte. Zum endg├╝ltigen Lackieren ein paar Wochen sp├Ąter nahm der Firmenchef deshalb Stefan Boll mit.Der ist nicht nur, wie sein Chef wei├č, "fachlich ein Ass", er spricht auch flie├čend Russisch, denn bis zu seinem elften Lebensjahr lebte seine Familie in Kasachstan.

"Das war echt spannend", erinnert sich Boll gerne an die Tage in Moskau. "Es war sehr sch├Ân, mIt den russischen Kollegen zu arbeiten. Sie haben uns sofort akzepti ert." Dazu kamen unz├Ąhllge Eindr├╝cke aus dem modernen Moskau und, als I-T├╝pfelchen, ein Blick auf den durch den Saal gehenden Staatspr├Ąsidenten Vladimir Putin.

Von der traumhaften Arbeitsumgebung im Andrejewski-Prunksaal waren beide begeistert.
"Man ist erschlagen von der Pracht. Es ist absolut ├╝berw├Ąltigend, wenn die Sonne durch die Fenster kommt." 56 Kilo Gold waren bei der Restaurierung vor drei Jahren verwendet worden.

W├Ąhrend im Westen Vergoldungen bei Neubauten wenig gefragt sind, seien in Asien weitere Auftr├Ąge f├╝r neue Hotels oder Moscheen durchaus zu erwarten, hofft J├╝rgen Blach, der zusammen mit seinem Bruder G├╝nter Blach Inhaber eines Maler- und eines Lacklerbetriebs ist. Das Verd├╝sen von Pudergold sei f├╝r die Auftraggeber nur halb so teuer wie die Verwendung von Blattgold. F├╝r beide ist diese Perspektive eine Best├Ątigung ihres Konzepts, sich zwar als Hauptbereich, aber nicht ausschlie├člich auf die branchenubliche Lackierung von Autos und Industrieleilen zu st├╝tzen. "Wlr haben schon fr├╝h nach Nischen gesucht, und uns daf├╝r interessiert. andere Sachen zu machen als andere Betriebe."

Zunehmenden Erfolg auf dem internationalen Markt hat das Unternehmen
auch mit Helmen f├╝r Skifahrer und -springer. Wie berichtet, gelang J├╝rgen Blach im Jahr 2000 die Pionierleistung, die Kunststoffhelme mit einer schlagfesten, wie Chrom wirkenden Farbschicht zu ├╝berziehen. Mit den individuell gestaltbaren Helmen fahren derzeit Weltmeister und Weltcup-Sieger wie Martina Ertl. Fritz Strobel, Michaela Dorfmeister und Sonja Nef.

Sprunghaft angesliegen ist die Produktion in einer neuen Lackierhalle, seit die exklusiven Helme auch f├╝r Privatrahrer zu kaufen sind. Rund 12000 Helme hat die westmittelfr├Ąnkische Firma in diesem Jahr lackiert. Das Familienunternehmen, das als drittes Standbein Arbeitsb├╝hnen vermietet, besch├Ąftigt knapp 70 Mitarbeiter.

Quelle: FLZ Nr. 273 Samstag/Sonntag, 23./24. November 2002